Largo di Villa Massimo, ein Palazzo am Stadtrand Roms, umgeben von Pinien und Orangenbäumen — seit über hundert Jahren der wohl bekannteste Arbeitsort, den ein deutsches Förderprogramm zu vergeben hat.
01Geschichte: Mehr als nur ein Stipendium
Die Villa Massimo wurde 1910 als Stiftung gegründet, der Name „Rompreis" ist seit 1913 fest mit ihr verbunden. Heute ist sie eine Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland im Geschäftsbereich der Kulturstaatsministerin — keine private Stiftung, sondern ein staatlich getragenes Aushängeschild deutscher Kulturförderung.
Wer hier war, gehört zu einer langen Reihe namhafter deutscher Künstler, Architekten, Schriftsteller und Komponisten. Das Prestige ist real: Die Villa Massimo gilt unter Kunsthistorikern und Feuilleton gleichermaßen als eine der renommiertesten Adressen für Kulturförderung in Europa.
Aber sie ist eben auch ein Stipendium — und genau das wird oft übersehen, wenn man nur über die Architektur und die Geschichte des Hauses liest. Ergänzt wird der Aufenthalt in Rom durch die Casa Baldi im Bergdorf Olevano Romano, einen zweiten, kleineren Standort der Akademie.
02Für wen ist der Rompreis realistisch?
Hier kommt die ehrliche Einordnung: Die Villa Massimo ist keine Einstiegsförderung. Sie ist eine Spitzenförderung für Künstler, die bereits überregionale, im besten Fall internationale Sichtbarkeit erreicht haben.
Konkret verlangt das Auswahlverfahren je nach Sparte Nachweise wie drei Ausstellungen oder Präsentationen in der bildenden Kunst, drei realisierte Projekte in der Architektur oder drei aufgeführte Kompositionen bei Musik — in renommierten Einrichtungen, nicht in der Studierendenausstellung der eigenen Hochschule.
- du bereits mehrfach überregional ausgestellt oder präsentiert hast
- du als impulsgebend in deinem Feld wahrgenommen wirst
- du deinen Schaffensmittelpunkt seit mind. 5 Jahren in Deutschland hast (oder deutsche Staatsangehörigkeit)
- du noch studierst oder Meisterschülerin/Meisterschüler bist — beides ist ausgeschlossen
- du am Anfang deiner künstlerischen Laufbahn stehst
- du eine Förderung ohne Ortswechsel suchst (dann eher Kunstfonds-Stipendium)
03Art der Förderung
Der Aufenthalt dauert 10 Monate, von Anfang September bis Ende Juni des Folgejahres — eine Verlängerung ist nicht möglich. Enthalten sind freie Unterkunft und ein eigenes Atelier in Rom.
04Voraussetzungen
05Bewerbungsablauf
Die Bewerbung läuft ausschließlich online über die Kulturstiftung der Länder, nicht direkt über die Villa Massimo. Einreichung vom 1. November bis 15. Januar.