Zwei Fragen sind am Ende beantwortet: wo du in welcher Studienphase Geld herbekommst (vom 200-€-Klausurstipendium am Studienanfang bis zu Stellen und Stipendien für die Promotion) und warum die Suche nach einem Physik-Stipendium im Bachelor so wenig hergibt.
Stand: 10/2026
Ein Physikstudium hat in den ersten Semestern einen eigenen Takt: In den meisten Studiengängen gehören wöchentliche Übungszettel in Analysis und Mechanik zum Grundrauschen, dazu Praktikumsprotokolle, und daneben die Frage, wie sich das alles neben einem Nebenjob durchhalten soll. Wer an diesem Punkt „Physik-Stipendium" in die Suchmaschine tippt, bekommt eine seltsam stille Trefferliste aus Uni-Unterseiten und Datenbanken. Der Gedanke danach klingt fast immer gleich:
„Für Physik gibt es anscheinend nichts."
Zwei Befunde widerlegen ihn: In Düsseldorf vergibt das Fach Physik selbst 200 € monatlich nach den Erstsemester-Klausuren, und ab dem Master fördert ein Bonn-Kölner Programm rund 20 Studierende pro Jahrgang mit einem Vollstipendium.
Die Durststrecke liegt vorne
Im Bachelor helfen vor allem allgemeine Stipendiengeber; ab dem Master kommen fachgebundene Programme wie die Bonn-Kölner Graduiertenschule dazu. Für die Promotion kommen eine Stelle an Universität oder Forschungseinrichtung, eine Stelle aus dem Geld eines Forschungsprojekts oder ein Stipendium infrage. Der im Physikportal pro-physik veröffentlichte Bericht über das ProFile-Promovierendenpanel beschrieb Promotionen ohne Finanzierung in der Physik als praktisch nicht vorkommend — mit Datenstand Januar 2012. Das ist ein historischer Befund, keine aktuelle Finanzierungsquote oder Zusage für dein Vorhaben.
Für die ersten Semester heißt das: Die realistischen Bewerbungen sind die allgemeinen. Das Deutschlandstipendium zahlt 300 € im Monat, einkommensunabhängig und neben BAföG, beworben wird direkt an deiner Hochschule. Die Begabtenförderungswerke, die dreizehn großen Förderwerke von Parteien, Kirchen und anderen Trägern (etwa die Hans-Böckler-Stiftung oder die Hanns-Seidel-Stiftung), zahlen im Studium allen Geförderten eine Studienkostenpauschale von 300 € im Monat und dazu ein einkommensabhängiges Lebenshaltungsstipendium von bis zu 855 €; bei eigener studentischer Pflichtversicherung kommen bis zu 137 € Kranken- und Pflegeversicherungszuschlag infrage. Für andere Versicherungsarten gelten andere Zuschläge. Einkommensabhängig heißt dabei: Der Betrag richtet sich, ähnlich wie beim BAföG, nach dem Einkommen der Eltern, nach eigenen Einkünften und nach dem Einkommen eines Ehepartners. Bei der Studienstiftung kannst du dich in deinen ersten beiden Fachsemestern selbst bewerben; die Anmeldung für die Runde 2026 lief von Anfang Januar bis Mitte Februar, danach folgte ein Auswahltest. Für die nächste Runde zählt das neue Anmeldefenster der Studienstiftung.
Ob du für die Selbstbewerbung noch im richtigen Semester bist und welches der frühen Programme zu deinem Profil passt, klärt der Förderpotenzial-Check in wenigen Minuten — damit du vor der nächsten Anmelderunde weißt, welche Unterlagen du vorbereiten kannst.
Physik-Stipendium nach Studienphase: welche der fünf Stellen bei dir greift
Diese fünf Förderadressen decken unterschiedliche Phasen ab; die jeweilige Studienphase steht in der zweiten Spalte. Die Förderwerke haben eigene Programme für Studium und Promotion. Die hier genannten Förderbeträge gelten nur für das Studium.
Stelle
Die Programmbeträge beruhen auf den unten genannten Trägerseiten und den Bundesrichtlinien ab 01.10.2026; die DAAD-Rate ist programm- und länderabhängig. Stand: 10/2026.
Bleibt der Schnitt. Ein Notendurchschnitt von 2,2 oder 2,5 schließt eine Bewerbung nicht pauschal aus: Das Gesetz zum Deutschlandstipendium setzt keine feste Notengrenze; die Hochschulen wählen aus, und Förderwerke bewerten auch Engagement und Lebensweg. Beim Düsseldorfer Klausurmodell im nächsten Abschnitt ist das anders: Dort ist ein Schnitt besser als 2,5 in vier Modulen Bedingung. Wer vor dem Motivationsschreiben zurückschreckt, findet dort die Sorte Stipendiengeber, die gar keins verlangt.
200 € für vier Klausuren: das Physik-Stipendium ohne Motivationsschreiben
Die Physik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf vergibt bis zu fünf Stipendien pro Jahrgang über 200 € monatlich, ein Jahr lang, an Bachelor-Studierende der Physik und Medizinischen Physik. Das Auswahlkriterium ist laut Programmseite kein Motivationsschreiben, sondern das erste Semester selbst: die vier Pflichtklausuren des Studienstarts, bestanden im ersten Versuch. Einzureichen sind nur ein tabellarischer Lebenslauf und eine Leistungsübersicht. Dazu kommen zwei Bedingungen, an denen eine Bewerbung scheitern kann: ein Schnitt besser als 2,5 in diesen vier Modulen, und du darfst noch kein anderes Stipendium beziehen.
Fair ist das Modell allerdings nur zur Hälfte, denn es belohnt den Klausur-Typ. Wer im ersten Semester nebenher gejobbt hat oder erst im zweiten Jahr richtig ankam, fällt hier durchs Raster — ausgerechnet aus dem Grund, aus dem er das Geld gebraucht hätte. Für diese Lage sind die Programme aus der Tabelle gebaut, die Engagement und Lebensweg mitbewerten; das Klausurmodell ersetzt sie nicht, es ergänzt sie. Ob es ein solches Programm auch an deinem Fachbereich gibt, findest du in drei Schritten selbst heraus:
- 1Such auf der Website deines Fachbereichs Physik nach „Stipendium" — in Düsseldorf etwa heißt die Seite „Stipendien für exzellente Studierende".
- 2Frag bei der Fachschaft oder im Studienbüro nach (das Büro heißt je nach Hochschule auch Prüfungsamt oder Studierendensekretariat); solche Programme laufen oft unter dem Radar der zentralen Beratung.
- 3Frag, wonach das Geld vergeben wird: Hängt es an Klausurergebnissen, entscheidet dein erstes Studienjahr mit; dann lohnt der Blick schon vor der Prüfungsphase.
Wie du parallel die klassische Bewerbung bei Förderwerken aufbaust, steht Schritt für Schritt im Ratgeber Stipendium bewerben.
Ab dem Master: der Bonn-Kölner Weg zur Promotion
Die Bonn-Kölner Graduiertenschule vergibt laut Programmseite Vollstipendien an rund 20 Master-Studenten pro Jahr. Die Bonn-Cologne Graduate School of Physics and Astronomy (kurz BCGS) ist ein gemeinsames Programm der Universitäten Bonn und Köln, das Master und Promotion verbindet; die Höhe beziffert die Graduiertenschule nicht öffentlich, sie spricht von einem Stipendium, das die Lebenshaltungskosten deckt. Das Programm ist auf fünf Jahre angelegt, zwei im Master und drei in der Promotion. Die Promotionsstelle musst du dir allerdings im zweiten Masterjahr selbst bei einem Professor besorgen; die Graduiertenschule vermittelt sie ausdrücklich nicht. Beworben wird mit Vorlauf: Ein zentraler Stichtag liegt am 1. Dezember, und zwar für das Wintersemester des Folgejahres; ein Start im Sommersemester ist für Stipendiaten ausgeschlossen.
Durchgerechnet, soweit es sich rechnen lässt: Vier Semester Deutschlandstipendium sind 7.200 € (300 € × 24 Monate); bewilligt wird es in der Regel für zwei Semester und muss danach verlängert werden, vier Semester am Stück sind also nicht gesetzt. Eine andere Möglichkeit im Master ist das Bonn-Kölner Vollstipendium, dessen Höhe die Graduiertenschule nicht veröffentlicht. Eine gleichzeitige Auszahlung beider Stipendien ist in dieser Rechnung nicht vorausgesetzt. Die Finanzierung der Promotion musst du anschließend gesondert sichern. Eine Gesamtsumme steht hier deshalb bewusst nicht: Die 7.200 € sind allein die Modellrechnung für das Deutschlandstipendium, keine Förderzusage.
Für zwei Sonderfälle dieser Jahre gibt es eigene Adressen. Doktorandinnen und Postdoktorandinnen der experimentellen Naturwissenschaften und der medizinischen Grundlagenforschung mit Kind fördert die Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung, gegründet von der gleichnamigen Nobelpreisträgerin, mit einem monatlichen Zuschuss zur Entlastung im Alltag; für die Förderung 2027 läuft die Bewerbung laut Universität des Saarlandes vom 1. September bis zum 30. November 2026. Die Förderhöhe und alle Bedingungen stehen in der Ausschreibung. Und wer einen Teil des Studiums ins Ausland verlegt, findet beim DAAD je nach Programm unterschiedliche Beträge: einen Grundbetrag plus einen Zuschlag je nach Zielland, nachzulesen im Steckbrief des Programms; für die Physik oft der Weg zu Instituten, die es in Deutschland so nicht gibt.
Ob bei dir als Nächstes das Master-Fenster oder noch ein Bachelor-Programm ansteht, hängt am Abschlussziel: Der Förderpotenzial-Check fragt es ab und legt dir die Bewerbung zuerst hin, deren Frist als Erste kommt.
FAQ
Die Antworten unterscheiden Studienförderung und Promotionsfinanzierung; Förderbeträge für das Studium gelten nicht automatisch für die Promotion.
Wird die Promotion in Physik bezahlt?
Welche Stipendien für Physik kommen ohne Motivationsschreiben aus?
Gibt es ein Physik-Stipendium nur für Frauen?
Fazit
Such im Bachelor zuerst bei allgemeinen Förderern und deinem Fachbereich, im Master zusätzlich bei fachgebundenen Programmen wie der Bonn-Kölner Graduiertenschule. Die Suche nach einem Physik-Stipendium wirkt am Studienanfang schmal, weil die Fachprogramme aus diesem Text erst später einsetzen. Für die Promotion musst du Stelle oder Stipendium selbst sichern; auch ein integriertes Programm nimmt dir das nicht automatisch ab. Schau deshalb noch in dieser Woche auf die Stipendien-Seite deines eigenen Fachbereichs.
Was dieser Text bewusst nicht beantwortet:
- ob BAföG oder ein Studienkredit für dich sinnvoller ist als eine Stipendienbewerbung — das ist eine eigene Rechnung
- die Fristen deiner konkreten Hochschule; die veröffentlicht sie selbst
- welche Programme über die Physik hinaus für alle offenstehen — dafür gibt es die Übersicht Stipendien für Studenten
Wenn du wissen willst, welches Fenster bei dir gerade offen ist: Der Förderpotenzial-Check gleicht deine Phase, deine Noten und deine Lebenslage mit den Programmen ab, damit die nächste Bewerbung in die Phase fällt, in der sie eine Chance hat.
Quellen
Die folgenden Quellen tragen die Förderangaben; der ProFile-Bericht ist ausdrücklich historisch.
Quellen
- Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Fachbereich Physik: Stipendien für exzellente Studierende, Programmseite und Pressemeldungen, 2026
- Bonn-Cologne Graduate School of Physics and Astronomy (Universitäten Bonn und Köln): Programmseiten zum Scholarship Programme, 2026
- Physikportal pro-physik, Stefan Jorda: Promotionen mit Gehalt, 13.08.2012 (iFQ-ProFile-Datenstand Januar 2012)
- Universität des Saarlandes: CNV-Stipendien 2027 für Naturwissenschaftlerinnen, Ausschreibung 2026
- Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: FAQ zum Deutschlandstipendium, 2026
- Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Zusätzliche Nebenbestimmungen zur Förderung begabter Studierender, Fassung ab 01.10.2026
- stipendiumplus.de: Was bietet mir ein Stipendium, 2026
- Konrad-Adenauer-Stiftung: Richtlinien zur Vergabe von Stipendien, Stand April 2026
- Studienstiftung des deutschen Volkes: Finanzielle Förderung und Selbstbewerbung, 2026
- DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst): Programmausschreibungen, 2026
- Bundesministerium der Justiz: BAföG §§ 13 und 13a sowie Stipendienprogramm-Gesetz § 3, Fassung 2026
