Fünf Stellen fördern den Weg in den Journalismus: eine mit Monatsraten fürs Studium, eine mit Mentoren aus einer großen Redaktion, eine mit Geld für die Journalistenschule. Hier steht, welche davon an deiner Etappe gerade Bewerbungen annimmt, was vorher in deine Mappe muss und in welcher Reihenfolge du die Anträge angehst.
Stand: 10/2026
Inhaltsverzeichnis
Die Suche nach einem Stipendium im Journalismus endet oft nach zehn Minuten, und zwar nicht an einer Absage. Sie endet an einer Studienbescheinigung: Wer Politik, Geschichte oder BWL studiert und in die Redaktion will, liest die Wörter „journalistische Nachwuchsförderung" und legt den Gedanken beiseite. Der Satz dazu fällt fast immer gleich:
„Ich studiere doch gar nicht Journalismus."
Dabei fragen die meisten dieser Stipendiengeber gar nicht nach dem Fach: Die großen Nachwuchsprogramme fördern quer durch die Studienfächer, und wer an einer Journalistenschule lernt, bekommt Förderung sogar ganz ohne Studium.
Deine Station entscheidet, welches Journalismus-Stipendium dich nimmt
Studium, Journalistenschule und die Zeit nach dem Abschluss haben unterschiedliche Förderangebote.
Journalist ist keine geschützte Berufsbezeichnung, und einen amtlich vorgeschriebenen Weg in den Beruf gibt es auch nicht. Üblich sind Etappen: irgendein Studium, erste Veröffentlichungen nebenher, danach eine Journalistenschule oder ein Volontariat, also die in der Regel vergütete Ausbildung in einer Redaktion. Die Landschaft der Journalismus-Stipendien ist entlang dieser Etappen gebaut. Die Frage, die über deine Bewerbungsliste entscheidet, lautet deshalb: Wo auf dem Weg stehst du gerade?
- 1Du studierst oder hast den Studienplatz schon sicher, egal in welchem Fach, und willst in den Journalismus? Dann sind die studienbegleitenden Nachwuchsprogramme deine Station, dazu das Deutschlandstipendium deiner eigenen Hochschule. Beide Zeilen findest du in der Tabelle unten.
- 2Du hast einen Platz an einer Journalistenschule, aber kein Geld für die Miete? Dann ist die FAZIT-Stiftung deine Stelle, denn sie fördert genau diese Station nach Bedürftigkeit.
- 3Du hast den Abschluss in der Tasche und planst lange Praktika oder die Schule? Dann kommt das Jahresstipendium der Studienstiftung infrage, das erst nach dem Studium beginnt.
Wer seine Etappe kennt, weiß damit, welche Bewerbung jetzt dran ist und welche an dieser Etappe gar nicht mehr geht. Warten ist dabei nicht immer eine Option: Bei JONA schließt sich die Tür mit jedem Semester weiter.
Kurzer Abgleich, bevor du dich durch fünf Ausschreibungen liest: Welche Etappe gerade deine ist, weißt du selbst. Der Förderpotenzial-Check sagt dir in wenigen Minuten, welche Förderwege dazu passen.
Fünf Stellen, drei Stationen: wer welches Journalismus-Stipendium vergibt
JONA, Deutschlandstipendium, GEH DEINEN WEG, FAZIT-Stiftung und Studienstiftung fördern unterschiedliche Etappen auf dem Weg in den Journalismus.
Nur eines der fünf Programme wird aus der staatlich mitfinanzierten Begabtenförderung bezahlt: die journalistische Nachwuchsförderung JONA der Konrad-Adenauer-Stiftung. Begabtenförderung ist dabei der Sammelname für die dreizehn Förderwerke, deren Studien-Stipendien der Bund nach einer einheitlichen Richtlinie bezahlt und nach dem Abschluss niemand zurückzahlen muss. Das Journalismus-Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes (Programm „Wissenschafts- und Auslandsjournalismus") gehört nicht dazu, obwohl die Studienstiftung selbst eines dieser Werke ist: Das Programm läuft neben ihrer Studienförderung und wird gemeinsam mit der Dr. Alexander und Rita Besser-Stiftung im Stifterverband getragen. Dazu kommen das Deutschlandstipendium deiner Hochschule, das Mentoring-Programm GEH DEINEN WEG und die FAZIT-Stiftung. Die Tabelle ordnet die fünf nach der Etappe, an der sie dich nehmen; die Beträge stehen so in den jeweiligen Ausschreibungen.
Stelle
Wer ohnehin ein Stipendium bei einem der parteinahen Stipendiengeber anstrebt, findet eine sechste Möglichkeit obendrauf: Die Hanns-Seidel-Stiftung hängt an ihre reguläre Förderung das Journalistische Förderprogramm an, eine praktische Zusatzausbildung über eigene Akademien für Digital- und Fernsehjournalismus. Beworben wird dort mit bis zu fünf Arbeitsproben und einem Gutachten, das ein Professor oder ein Privatdozent für dich schreibt; die Stiftung schreibt zweimal im Jahr aus, zum Jahreswechsel und im Sommer, jeweils einen Monat lang ab dem 15. Dezember beziehungsweise ab dem 15. Juni.
Quer durch diese Ausschreibungen taucht dieselbe Anforderung auf: Arbeitsproben. Bei dreien der fünf Stellen gehören Veröffentlichungen oder erste journalistische Erfahrungen zur Bewerbung, und auch die Zusatzausbildung der Hanns-Seidel-Stiftung will welche sehen. Damit ist der Satz aus dem Einstieg beantwortet: Was du studierst, prüft von den fünf vor allem die FAZIT-Stiftung. Die Mappe prüfen fast alle.
Der Studiengang ist keine Arbeitsprobe
Bei fachnahen Journalismus-Stipendien belegen Arbeitsproben deine Erfahrung; der Studiengang allein ersetzt sie nicht.
Rasmus, erstes Semester Journalistik, hielt seinen Studiengang für die Eintrittskarte und schob das Schreiben auf — bis er im Bewerbungsportal vor dem Feld „bis zu fünf Arbeitsproben" saß und nichts hochzuladen hatte. Sein Studiengang bescheinigte die Absicht, Journalist zu werden. Belegen konnte er sie nicht. Rasmus hat die Runde ausgesetzt, ein Jahr für das Uni-Magazin und den Lokalteil geschrieben und sich im Sommer darauf noch einmal beworben; möglich war das nur, weil er den Master von Anfang an eingeplant hatte und die Stiftung bei der Bewerbung noch sechs Semester Regelstudienzeit sehen will. Das verlorene Jahr war der Preis für den leeren Ordner.
Leyla, drittes Semester Politikwissenschaft und der Master fest eingeplant, kennt die andere Seite dieses Ordners. Ihre ersten beiden Mails an die Lokalredaktion blieben unbeantwortet; der dritte Anlauf brachte einen kurzen Bericht über einen Vereinsabend, gedruckt, aber ohne ihren Namen darunter. Geblieben ist sie trotzdem, erst beim Lokalteil, dann beim Campusradio. Als sie ihre Bewerbung abschickte, standen im Formular ein 2,4er-Schnitt und drei Proben. Zwei Radiobeiträge. Ein Lokaltext. Fertig war die Mappe.
Genau diese Mappe ist es, die die Ausschreibungen sehen wollen: Die Konrad-Adenauer-Stiftung lässt bis zu fünf Arbeitsproben einreichen, ausdrücklich auch aus Schülerzeitung, Praktikum oder freier Mitarbeit, also bezahltem Schreiben ohne feste Stelle. Die Hanns-Seidel-Stiftung will ebenfalls bis zu fünf Proben sehen. GEH DEINEN WEG setzt erste deutschsprachige journalistische Erfahrungen voraus, gleich ob aus Studium, Ausbildung oder Arbeit. Die FAZIT-Stiftung bittet um bis zu drei veröffentlichte Proben, sofern vorhanden. Veröffentlichte Beiträge sind die Währung der fachnahen Journalismus-Stipendien. Der Notenschnitt taucht in den Anforderungen der Nachwuchsprogramme daneben auf, als eine Größe unter mehreren, neben Engagement und Persönlichkeit.
Für den Aufbau dieser Währung braucht es keine Redaktionsstelle. Realistische erste Quellen:
- Campusradio, Uni-TV oder die Sport- und Kulturredaktion einer Studierendenzeitung
- der Lokalteil der Regionalzeitung: kurze Berichte über Sportverein, Gemeinderat, Kultur — eine Mail an die Lokalredaktion mit zwei Themenvorschlägen ist der übliche Einstieg
- ein eigener thematischer Newsletter oder Blog, wenn du dafür selbst recherchierst und mit Leuten sprichst. Die Konrad-Adenauer-Stiftung schließt als Arbeitsproben allerdings „private Texte wie Gedichte, Reiseblogs oder Abiturreden" aus: Es zählt der recherchierte Beitrag, nicht das persönliche Format
- Beiträge für Vereins- oder Verbandsmedien, nach denselben Maßstäben gearbeitet
In den Ordner gehört, was erschienen ist: Die FAZIT-Stiftung zum Beispiel bittet ausdrücklich um veröffentlichte Proben, und ein gedruckter Zweispalter aus dem Lokalteil erfüllt diese Bedingung genauso wie ein großes Magazinstück.
Wie du die Journalistenschule bezahlst, wenn die Ausbildung selbst nichts kostet
Die Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München ist gebührenfrei; Stipendien können Miete und Lebensunterhalt finanzieren. Bezahlt werden müssen trotzdem Miete und Lebensunterhalt über die Schulzeit, und ein Gehalt wie im Volontariat fließt an der Schule nicht. Für die Aufnahmeprüfung kannst du üben; für die Miete hilft nur Geld.
Die Schule listet deshalb selbst die Journalismus-Stipendien, mit denen ihre Schüler die Zeit finanzieren: die FAZIT-Stiftung mit bis zu 1.250 € im Monat, die Rudolf Augstein Stiftung, benannt nach dem SPIEGEL-Gründer, mit bis zu 1.000 € im Monat, dazu das Jahresstipendium der Studienstiftung. Die FAZIT-Stiftung kennt dabei kein festes Jahresfenster, sondern rechnet von deinem eigenen Starttermin aus: Der Antrag soll mindestens drei Monate vor Ausbildungsbeginn vorliegen. Die Rudolf Augstein Stiftung und die Studienstiftung haben dagegen feste Bewerbungsfenster im Jahr, die mit deinem Aufnahmebescheid gar nichts zu tun haben; die musst du unabhängig davon im Kalender haben.
In diese Reihenfolge gehört eine Frist, die teuer werden kann: Wer die Zusage der Schule feiert und sich erst danach ans Geld setzt, verpasst dieses Dreimonatsfenster der FAZIT-Stiftung für die ersten Monate unter Umständen komplett. Der Antrag selbst ist Kleinarbeit: Verlangt wird unter anderem ein tabellarischer Lehrplan über die gesamte Ausbildungs- oder Studienzeit; aus ihm leitet die Stiftung die Förderdauer ab. Plane dafür einen eigenen Nachmittag ein.
💡 Tipp: Die Selbstauskunft zuerst fertigstellen. Bei der FAZIT-Stiftung ist die wirtschaftliche Bedürftigkeit die Grundvoraussetzung, und sie bestimmt auch die Höhe der Förderung; nachgewiesen wird sie über eine Selbstauskunft mit Belegen. Kontoauszüge, Einkommensnachweise und die Begründung, warum die Familie nicht einspringen kann, gehören vollständig zusammengestellt, bevor du am Anschreiben feilst. Wie du Bewerbungsunterlagen sauber aufbaust, zeigt dir Schritt für Schritt der Leitfaden Stipendium bewerben.
Und die Etappe danach? Volontariate bei Zeitung oder Sender werden in der Regel vergütet; wer nach dem Abschluss lange Praktika oder die Schule plant, findet in der Tabelle oben die Zeile der Studienstiftung.
Nebenbei geklärt, weil die Frage an dieser Etappe häufig kommt: Du schreibst schon fürs Lokale und fragst dich, ob BAföG plus Zeilengeld nicht die einfachere Rechnung ist als ein Journalismus-Stipendium? Der Förderpotenzial-Check stellt beide Wege für deine Lage nebeneinander, bevor du eine Selbstauskunft samt Belegen zusammenstellst.
Häufige Fragen zum Stipendium im Journalismus
Ein Journalistik-Studium ist keine allgemeine Voraussetzung; entscheidend sind Förderweg, Ausbildungsphase und verlangte Arbeitsproben.
Gibt es ein Stipendium für Journalismus auch ohne Journalistik-Studium?
Brauche ich für ein Journalismus-Stipendium schon Arbeitsproben?
Wird auch ein Volontariat oder eine Journalistenschule gefördert?
Was zählt als Arbeitsprobe, wenn ich noch nie in einer Redaktion war?
Fazit: erst die Station bestimmen, dann bewerben
Bestimme zuerst deine Ausbildungsphase und sammle dann die Arbeitsproben für passende Bewerbungen. Viel Zeit verliert man bei der Suche nach einem Stipendium im Journalismus an der falschen Tür: Wer noch studiert, bewirbt sich beim Absolventen-Jahresstipendium vergebens, und wer die Uni hinter sich hat, bei den studienbegleitenden Programmen. Bestimme also deine Etappe, streich die Stellen, deren Fenster dort zu ist, und leg für die verbleibenden zwei, drei Bewerbungen einen Proben-Ordner an. Ab heute wandert jeder veröffentlichte Beitrag hinein. Wie hoch ein Volontariatsgehalt ausfällt, regelt der Tarifvertrag deines Arbeitgebers; die Aufnahmeprüfungen stehen bei den einzelnen Journalistenschulen, und ob dir BAföG zusteht, klärt ein eigenes Verfahren mit eigenen Regeln. Einen breiteren Überblick über Programme jenseits des Journalismus findest du unter Stipendien für Studenten.
Der Proben-Ordner wächst ab heute, die Frage nach der passenden Stelle lässt sich schon jetzt klären. Der Förderpotenzial-Check gleicht Studienstand, Fach und Finanzierungslage ab und zeigt dir, wo sich eine Bewerbung lohnen kann — auch ohne Medien-Studiengang und ohne Einser-Zeugnis.
Quellen
- Konrad-Adenauer-Stiftung: Journalistische Nachwuchsförderung JONA, Programmseite und Flyer, 2026
- Hanns-Seidel-Stiftung: Journalistisches Förderprogramm und Bewerbungsverfahren, 2026
- FAZIT-Stiftung: Journalismus-Stipendium, Bewerbungshinweise und Checkliste zur journalistischen Ausbildung, 2026
- Deutschlandstiftung Integration: Journalismus-Stipendium GEH DEINEN WEG, Programmseite, 2026
- Studienstiftung des deutschen Volkes: Programm Wissenschafts- und Auslandsjournalismus (Besser-Stipendium), Programmseite und Pressemitteilung, 2026
- Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Deutschlandstipendium, Häufig gestellte Fragen, 2026
- Deutsche Journalistenschule: Stipendien-Übersicht für die Ausbildung, 2026
