Ob du dich bewerben kannst, entscheiden die Bedingungen des Programms. Danach kannst du die fünf vorgestellten Adressen nach Aufenthaltsstatus, Studienphase und persönlicher Geschichte vergleichen und erkennst, wo Geld gezahlt wird und wo es um Begleitung geht.
Stand: 10/2026. Beträge und Zugang: aktuelle Trägerseiten und Gesetze, geprüft am 27.10.2026; Bewerbungsfenster stehen im Vergleich.
Ein fiktives Beispiel: Samir, viertes Semester Wirtschaftsinformatik in Hamburg, bekommt abends eine Sprachnachricht seiner Cousine Melis aus Izmir: Sie hat die Zusage für einen Masterplatz in Deutschland und fragt ihn, wie man hier ein Stipendium bekommt, schließlich lebt er ja dort. Samir hat darauf keine Antwort. Er hat sich selbst nie beworben, weil er Stipendien für eine Veranstaltung hielt, zu der Leute wie er nicht eingeladen sind. Also tippt er zum ersten Mal „Stipendium Migrationshintergrund" in die Suche und scrollt durch Listen, in denen das Suchwort fast jede Überschrift füllt und kaum eine Programmbedingung auftaucht. Drei Jahre Nebenjob liegen da schon hinter ihm.
Wann bei einem Stipendium Migrationshintergrund für die Auswahl zählt
Beim Deutschlandstipendium soll die Auswahl auch die Migrationsgeschichte berücksichtigen; daraus entsteht kein Anspruch auf Förderung. Maßgeblich bleiben Begabung und Leistung sowie das Auswahlverfahren der teilnehmenden Hochschule.
Samirs Zweifel lassen sich als Gedanke formulieren: „Ich passe nicht ins System.“ Dagegen steht eine konkrete gesetzliche Regel. § 3 des Stipendienprogramm-Gesetzes nennt neben Leistungen und persönlichem Werdegang auch Engagement, Verantwortungsbereitschaft und besondere soziale, familiäre oder persönliche Umstände. Als Beispiele nennt die Norm Umstände aus der „familiären Herkunft oder einem Migrationshintergrund“. Die Kommission soll sie einbeziehen; sie ersetzen die Leistungsbewertung nicht.
Für den Zugang zum Deutschlandstipendium ist ein deutscher Pass keine Voraussetzung: Die Freie Universität Berlin lässt beispielsweise Studierende aller Nationalitäten zu, sofern die weiteren Bedingungen erfüllt sind. § 2 StipG erlaubt eine Bewerbung grundsätzlich schon vor Studienaufnahme, wenn die Zugangsvoraussetzungen vorliegen, oder während des Studiums. Ob deine Hochschule Bewerbungen vor der Einschreibung annimmt und welche Nachweise sie verlangt, steht in ihrer Ausschreibung. Das Programm gilt für staatliche und staatlich anerkannte Hochschulen; Hochschulen des Bundes sind gesetzlich ausgenommen, und eine Promotion wird darüber nicht gefördert.
Samir liest die Zugangsbedingungen an diesem Abend dreimal. Ganz löst so ein Satz drei Jahre Selbstzweifel natürlich nicht auf; er verschiebt nur die Frage — von „darf ich überhaupt?" zu „wohin zuerst?".
Damit eine Kommission deinen Umstand einbeziehen kann, muss er in der Bewerbung stehen. Der Förderpotenzial-Check zeigt dir vorab, welche Programmarten zu deiner Studienphase und deinem Profil passen — und damit auch, wo sich das Nennen deiner Geschichte lohnt, bevor du Zeit in ein Motivationsschreiben steckst.
Religiöser Bezug, Aufenthalt, Familiengeschichte: drei unterschiedliche Fragen
Religiöser Bezug, persönliche Förderberechtigung und Migrationsgeschichte sind verschiedene Kriterien; keines beantwortet die beiden anderen Fragen automatisch.
- 1Die religiöse Ausrichtung betrifft vier der dreizehn Förderwerke. StipendiumPlus, das gemeinsame Informationsportal der bundesgeförderten Werke, ordnet Cusanuswerk, Villigst, Avicenna und ELES dieser Gruppe zu. Avicenna richtet sich vor allem an muslimische Bewerber. Die offizielle Studienwerk-Seite nennt eine enge Ausnahme für andere Konfessionen: etwa bei besonderem Einsatz für den Dialog mit dem Islam oder einem spezifischen Islambezug im Studium. ELES setzt Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft voraus und erkennt auch einen jüdischen Vater an. Das ist keine Voraussetzung „Migrationshintergrund“: Religionszugehörigkeit und Einwanderungsgeschichte fallen nicht automatisch zusammen.
- 2Deinen persönlichen Zugang regelt bei vielen Förderwegen § 8 BAföG. Dazu gehören unter den jeweiligen gesetzlichen Bedingungen beispielsweise Deutsche, bestimmte EU-Bürger und Menschen mit Niederlassungs- oder Daueraufenthaltserlaubnis. Auch bestimmte befristete Aufenthaltserlaubnisse reichen aus. Die Wartezeit von 15 Monaten betrifft die Fälle in Absatz 2 Nummer 2 und Geduldete nach Absatz 2a mit ständigem Wohnsitz im Inland. Sie gilt nicht pauschal für sämtliche befristeten Titel; Absatz 2 Nummer 1 hat diese Wartezeit nicht. Ein ausländischer Pass schließt die Förderung also nicht allein aus. Umgekehrt macht ein beliebiger deutscher Schulabschluss noch nicht automatisch nach § 8 förderberechtigt: Aufenthaltsrecht, gegebenenfalls Voraufenthalt und Erwerbstätigkeit müssen zum konkreten Fall passen.
- 3Deine Migrationsgeschichte ist bei einigen Programmen ausdrücklich relevant. Drei Beispiele hier sind das Deutschlandstipendium über § 3 StipG, Geh Deinen Weg der Deutschlandstiftung Integration und das Schülerprogramm START. START setzt voraus, dass du selbst oder mindestens ein Elternteil zugewandert bist. Die Begriffe der jeweiligen Ausschreibung zählen; eine einheitliche Definition für sämtliche Programme lässt sich daraus nicht ableiten.
Samir und Melis landen damit an verschiedenen Stellen dieser Liste, obwohl ihre Familien aus derselben Stadt kommen. Samir schreibt an diesem Abend zwei Adressen auf seinen Block; sein Geburtsort allein entscheidet seinen Rechtsstatus nicht. Für Melis wird im Beispiel angenommen, dass sie ausschließlich zum Studium einreist und keine persönliche Förderberechtigung nach § 8 BAföG hat. Sie prüft deshalb zuerst Programme, die diese Berechtigung nicht verlangen, darunter das Deutschlandstipendium und Angebote in der Datenbank des DAAD, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes.
Was bei der Suche „Stipendium für Migrationshintergrund“ in den Bedingungen steht
Die fünf Adressen unterscheiden sich vor allem beim persönlichen Zugang und bei der Art der Förderung. Die Tabelle fasst die offiziellen Bedingungen zusammen; sie ist kein wörtliches Zitat und keine vollständige Zulassungsprüfung.
Adresse
Bei ELES sind die Restsemester Soll-Werte der aktuellen Studienförderungsseite; für das Staatsexamen nennt sie ein Minimum. Eine frühere Fünf-Semester-Angabe wird dort aktuell nicht mehr genannt. Für die persönliche Förderberechtigung verwenden Avicenna und ELES auf ihren Seiten den Begriff Bildungsinländer im Zusammenhang mit § 8 BAföG. Lass einen unklaren Aufenthaltsfall vom Werk prüfen, statt daraus die Kurzform „Schulabschluss in Deutschland reicht“ zu machen. Der zusätzliche B2-Nachweis bei ELES ersetzt diese Zugangsvoraussetzung nicht.
Zum ELES-Antrag gehören neben dem Nachweis aktuellen sozialen Engagements zwei akademische Gutachten und die Empfehlung einer jüdischen Institution. Sie müssen von drei verschiedenen Personen stammen und direkt von den Ausstellern an ELES geschickt werden. Das ist ein eigener Vorbereitungsschritt; die Empfehlung ist nicht bloß ein freiwilliger Zusatz.
Bei START zählt die verbleibende Schulzeit: Die Leistungsseite nennt für das Stipendium drei Jahre, bezieht diese Voraussetzung aber noch auf das Schuljahr 2026/27. Für den angekündigten neuen Jahrgang solltest du die aktualisierte Ausschreibung abwarten. Die START-FAQ stellt zugleich klar, dass Schulform und Noten nicht über den Zugang entscheiden; gesucht werden Motivation und Bereitschaft zur aktiven Teilnahme. Einen Überblick jenseits dieser fünf Adressen geben die Stipendien für Studenten.
Warum beim Stipendium Migrationshintergrund und Aufenthaltsrecht zwei verschiedene Fragen sind
Eine Migrationsgeschichte allein sagt weder etwas über den Aufenthaltstitel noch über die persönliche Förderberechtigung aus. Melis hat im Beispiel einen Studienplatz in Deutschland und keinen Zugang nach § 8 BAföG; daraus ergibt sich ihre Auswahl, nicht allein aus ihrem Pass.
- Das Deutschlandstipendium bleibt eine mögliche Adresse. Es verlangt keinen deutschen Pass. Melis prüft die Ausschreibung der künftigen Hochschule; eine Bewerbung kann nach § 2 StipG bereits vor Studienaufnahme möglich sein.
- Die DAAD-Datenbank hilft bei der Suche nach passenden Programmen. Dort lassen sich Angebote nach Herkunftsland, Status und Fachrichtung eingrenzen; auch andere Förderorganisationen sind vertreten. Ein Datenbanktreffer ist keine Zusage. Hinweise zu dieser Suche stehen im Ratgeber zum DAAD-Stipendium.
- Die Werke prüfen den persönlichen Zugang getrennt vom Religionsbezug. Avicenna erläutert für Bewerber mit ausländischem Abitur und ohne EU-Staatsangehörigkeit: Ohne Förderberechtigung nach § 8 BAföG ist eine Studienförderung nicht möglich. Bei einem Abitur in Deutschland oder an einer deutschen Schule im Ausland verweist die FAQ dagegen auf einen Bewerbungszugang; anerkannte Hochschulzugangsberechtigungen und weitere Bedingungen bleiben zu prüfen. Für die Promotionsförderung verlangt Avicenna nach eigener FAQ keinen §-8-Status, aber eine Promotion an einer deutschen Hochschule und Deutsch C1/DSH-2. Dafür gelten eigene Leistungen und Fristen; die Studienbeträge der Tabelle sind keine Promotionssätze.
Zwischen den Cousins entscheiden die Papiere damit über den Zugang zu zwei der fünf Adressen, und daraus folgt der jeweilige Startpunkt: Samir beginnt beim Deutschlandstipendium seiner Hochschule und prüft danach die Förderwerke, Melis beginnt in der DAAD-Datenbank und beim Deutschlandstipendium ihrer künftigen Hochschule.
💡 Tipp: Erst den Status klären, dann die Mappe bauen. Wenn du nicht sicher bist, ob deine Aufenthaltspapiere für die BAföG-gekoppelten Programme zählen, frag beim BAföG-Amt deines Studierendenwerks nach, bevor du Bewerbungen schreibst. Für den Förderantrag entscheidet anschließend das jeweilige Werk über seine Zulassung; eine BAföG-Auskunft ist noch keine Stipendienzusage.
FAQ
Migrationsgeschichte, Elternbildung und Staatsangehörigkeit werden getrennt bewertet; die Antworten unten helfen, die passenden Nachweise und Fristen auseinanderzuhalten.
Wie kann ein Stipendium Migrationshintergrund und Elternbildung berücksichtigen?
Können Stipendien Ausländer ohne deutschen Pass fördern?
Kann ein Stipendium internationale Studenten ohne §-8-Status aufnehmen?
Wie bewerbe ich mich bei Avicenna oder ELES?
Kann ich zwei Stipendien gleichzeitig bekommen?
Fazit
Beginne mit dem Programm, dessen persönliche und zeitliche Voraussetzungen zu dir passen; deine Migrationsgeschichte allein entscheidet die Auswahl nicht. Für die BAföG-Frage prüft das Amt den konkreten Fall, für den Stipendienzugang das Förderwerk oder die Hochschule. Bei den fünf Adressen hast du jetzt Kriterien, Leistung und Bewerbungsstand beisammen.
Samir hat inzwischen einen Entwurf fürs Deutschlandstipendium seiner Hochschule geschrieben. Die Korrektur kam beim Gegenlesen ausgerechnet von Melis: In seiner ersten Fassung kam die eigene Familiengeschichte mit keinem Wort vor — der Umstand, den die Kommission laut Gesetz berücksichtigen soll, wäre ihr nie begegnet. Die zweite Fassung nennt ihn, in zwei Sätzen, ohne Drama. Wähl die Adresse aus der Tabelle, die zu deiner Situation passt, öffne die Ausschreibung und lies die Bedingungs-Zeile noch heute.
Ob du gemeint bist, steht in der Bedingungs-Zeile, nicht im Suchbegriff. An welcher Ausschreibung sich deine erste Bewerbung lohnen kann, zeigt dir der Förderpotenzial-Check nach einem Abgleich mit deinem Profil, auch über die fünf Adressen dieses Artikels hinaus.
Quellen
Die Angaben beruhen auf offiziellen Trägerseiten und den genannten Gesetzen; geprüft am 27.10.2026.
Quellen
- Avicenna-Studienwerk: Stipendium, Programmseite, 2026
- Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES): Studierendenförderung und Bewerbung, 2026
- Stipendienprogramm-Gesetz (StipG): §§ 1–5, Zugang, Auswahl und Doppelförderung, geltende Fassung 2026
- Freie Universität Berlin: Deutschlandstipendium, FAQ für internationale Studierende, 2026
- StipendiumPlus: Wer sind die Begabtenförderungswerke?, 2026
- Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG): § 8 Staatsangehörigkeit, Gesetzestext, 2026
- Deutschlandstiftung Integration: Stipendien- und Mentoringprogramm Geh Deinen Weg, 2026
- START-Stiftung: Stipendienprogramm, Voraussetzungen und Leistungen, 2026
- DAAD: Stipendiendatenbank für internationale Studierende, 2026
