Notenstufe, Staatsangehörigkeit, Berufserfahrung, Alter des Abschlusses: An diesen vier Zeilen entscheidet sich ein LLM-Stipendium, und zwar bevor jemand dein Motivationsschreiben aufschlägt. Sie stehen in den Ausschreibungen weit unten.
Stand: 10/2026
Sibel hatte ihren Plan fertig, bevor sie das erste Examen schrieb: ein Examen im oberen Bereich, dann ein Jahr London, dann zurück in die praktische Ausbildung. Chevening stand ganz oben auf ihrer Liste, weil das Programm britische Masterstudiengänge fördert. Beim Ausfüllen der Bewerbung stolperte sie über eine Zeile, die sie beim Überfliegen der Programmseite nicht wahrgenommen hatte: 2.800 Stunden Berufserfahrung nach dem ersten Studienabschluss, in der Regel zwei Jahre. Sie hatte null. Es lag also weder an ihrem Engagement noch an ihren Noten — sie war formal nicht bewerbungsberechtigt, und das stand fest, bevor sie den ersten Satz geschrieben hatte.
Was ein LLM-Stipendium abdeckt — und was meistens offen bleibt
Ein LLM-Stipendium trägt je nach Programm Lebenshaltung, Reise, Versicherung und einen Teil der Studiengebühren. Der LL.M., ausgeschrieben Master of Laws, ist ein juristisches Aufbaustudium nach dem ersten Abschluss, oft ein Jahr lang, meist im englischsprachigen Ausland. Ein LLM-Stipendium dafür besteht aus verschiedenen Bausteinen, je nachdem, wer zahlt.
Beim DAAD setzt sich die monatliche Rate aus einem Grundbetrag und einer Zulage zusammen, die vom Gastland abhängt; für Studierende und Graduierte gilt je nach Gastland ein eigener Satz: für das Vereinigte Königreich 1.300 Euro im Monat, für die USA 1.400 Euro, jeweils unter Vorbehalt für Förderungen im akademischen Jahr 2027/28. Die Rate für dein Zielland zeigt der Stipendienraten-Rechner auf der Programmseite des DAAD. Dazu kommt ein Reisekostenzuschuss, dessen Höhe vom Gastland abhängt, dazu Leistungen zur Kranken-, Unfall- und Privathaftpflichtversicherung, und ein Zuschuss zu den Studiengebühren bis zu einer Höchstgrenze, den du allerdings erst nach Stipendienbeginn beantragst. Gefördert wird in diesem Programm die volle Dauer des LL.M.-Studiengangs; anteilige Laufzeiten oder einzelne Semester schließt die Ausschreibung aus, verlängerbar ist das Stipendium nicht.
Für Rechtswissenschaften fördert die Fulbright-Kommission ausschließlich neunmonatige LL.M.- oder M.C.L.-Programme in den USA, in Vollzeit und in Präsenz. Gezahlt werden dafür 31.000 US-Dollar für die Lebenshaltung. Dazu kommen ein gebührenfreies J-1-Visum, das Versicherungsprogramm ASPE und ein Vorbereitungsseminar. Die Studiengebühren sind nicht abgedeckt — sie stehen in der Eigenbeteiligungsrechnung auf deiner Seite; an Hochschulen im Fulbright-Netzwerk kann die Hochschule sie senken oder erlassen, alle anderen verhandeln selbst. Reisekosten führt die Ausschreibung nicht als Leistung auf.
Nicht infrage kommt dagegen das Fulbright-Reisestipendium, eine Pauschale von 2.000 Euro. Es fördert ausschließlich Studienaufenthalte im Rahmen eines bestehenden Abkommens deiner deutschen Hochschule mit einer US-Partnerhochschule; „komplette Auslandsstudienprogramme können leider nicht gefördert werden“, schreibt Fulbright. Wer sich selbst an einer Law School einschreibt, fällt damit heraus. Für diesen Weg ist das Studienstipendium die richtige Adresse: Dort ist das freie Wählen der Hochschule ausdrücklich eine der beiden Bewerbungsvarianten.
Die Differenz zahlst du. Die Studiengebühren einer Law School, also einer juristischen Fakultät in Großbritannien oder den USA, stehen auf ihrer eigenen Seite und liegen häufig weit über dem, was ein einzelnes Programm beisteuert. Rechne deshalb von Anfang an mit einem Stapel aus mehreren Quellen. Wer die Differenz erst nach der Zusage der Law School ausrechnet, steht vor einer unangenehmen Wahl: absagen, einen Kredit aufnehmen oder ein Jahr später noch einmal antreten.
Weil sich diese Rechnung nur mit den passenden Bausteinen aufmachen lässt: Der kostenlose Förderpotenzial-Check fragt Abschluss, Situation und Zielrichtung ab und zeigt, welche Programmgruppe dazu passt. Ein paar Minuten, und die Liste, die du danach abarbeitest, ist deutlich kürzer.
Die vier Filter, die vor dem Motivationsschreiben greifen
Notenstufe, Staatsangehörigkeit, Berufserfahrung und Alter des Abschlusses sind die vier Filter. Sie stehen fest, bevor irgendjemand deine Unterlagen liest — genau daran ist Sibel gescheitert:
- Die Notenstufe im DAAD-LL.M.-Programm. Juristische Prüfungen werden auf einer Skala von 0 bis 18 Punkten bewertet. Wer die Erste juristische Prüfung abgeschlossen hat, muss für dieses Programm zum Bewerbungstermin mindestens ein „vollbefriedigend“ nachweisen, also ein Prädikat ab neun Punkten. Mit einem rechtswissenschaftlichen Bachelor oder Master braucht es stattdessen eine schriftliche Bestätigung des Prüfungsamts, dass du zu den besten 20 Prozent deines Jahrgangs zählst; das Abschlusszeugnis muss zum Bewerbungstermin ebenfalls vorliegen. Andere DAAD-Programme haben andere Bedingungen.
- Die Staatsangehörigkeit bei Fulbright. Nach Angaben der Deutsch-Amerikanischen Fulbright-Kommission ist die deutsche Staatsangehörigkeit Voraussetzung für die Teilnahme an ihrem Stipendienprogramm; wer daneben auch die amerikanische hat, ist ausgeschlossen. Für Jura verlangt Fulbright außerdem einen Aufenthalt unmittelbar nach dem Ersten Juristischen Staatsexamen mit mindestens „vollbefriedigend“. Nach dem Zweiten Juristischen Staatsexamen oder einer juristischen Promotion ist die Förderung ausgeschlossen. Beim DAAD ist eine Bewerbung ausdrücklich auch ohne deutschen Pass möglich. Für den Weg in die USA ist das häufig der Punkt, an dem sich die Wahl entscheidet.
- Die Berufserfahrung bei Chevening. Verlangt werden 2.800 Arbeitsstunden nach dem ersten Studienabschluss, üblicherweise zwei Jahre; maßgeblich sind die Stunden, wer sie schneller zusammenbekommt, darf sich bewerben. Angerechnet werden Voll- und Teilzeit, Arbeit aus der Ferne, ehrenamtliche Tätigkeit sowie bezahlte und unbezahlte Praktika — nicht aber Pflichtpraktika, die zu deinem Studiengang gehören. Du darfst bis zu fünfzehn verschiedene Zeiträume einreichen. Dazu kommt die Verpflichtung, nach dem Stipendium mindestens zwei Jahre nach Deutschland zurückzukehren.
- Das Alter des Abschlusses im DAAD-LL.M.-Programm. Dein Hochschulabschluss oder Examen darf bei Bewerbungsschluss nicht länger als fünf Jahre zurückliegen, außer es gibt besondere Gründe.
Die dritte und die vierte Zeile arbeiten gegeneinander. Chevening will, dass du erst arbeitest — 2.800 Stunden, meist zwei Jahre; der DAAD will, dass dein Abschluss frisch ist. Wer den britischen Weg wählt und dafür Berufsjahre sammelt, verbraucht dabei einen Teil des Zeitfensters, das der DAAD offen hält. Sibel stand genau in dieser Zange.
Zwei Programme können jedes für sich passen und dir trotzdem gegenseitig die Tür zumachen, wenn du sie nacheinander planst.
Ein fünfter Punkt ist formal kein Ausschluss und wirkt in der Praxis wie einer: der Sprachnachweis. Im LL.M.-Programm verlangt der DAAD ihn mit der Bewerbung, und zwar TOEFL mit mindestens 100 Punkten oder IELTS mit mindestens 7 Punkten (welche Höchstwerte die beiden Skalen haben, steht bei den Testanbietern). Verlangt deine Gasthochschule keinen dieser beiden Tests, genügt dem DAAD sein eigenes Sprachnachweisformular mit mindestens vier Sternen in allen Kategorien. Die Prüfungstermine gibt der Anbieter vor. Wer den Test für einen Teil des Zulassungsverfahrens der Hochschule hält, hat ihn zum Stichtag der Förderer meist noch nicht in der Hand.
Und die Studienstiftung des deutschen Volkes? Sie fördert Studierende, die einen Abschluss in Deutschland, einem anderen EU-Land oder der Schweiz anstreben. Für einen LL.M. in den USA oder Großbritannien führt der Weg dort also über die laufende Förderung: Wer bereits aufgenommen ist, kann für einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt einen Studiengebührenzuschuss von bis zu 10.000 Euro aus öffentlichen Mitteln bekommen, bei nachgewiesener Bedürftigkeit ergänzt um bis zu 13.000 Euro aus privaten Mitteln (Jahresbericht 2022). Der klassische einjährige LL.M. passt in diese Förderung; für längere Programme außerhalb der EU und der Schweiz frag vorher nach, wie weit die Förderdauer reicht. Die Programme mit vier Semestern Laufzeit, die du auf den Seiten der Studienstiftung findest, sind an Fächer und Zielregionen gebunden — für einen Jura-LL.M. in den USA oder Großbritannien passt keines davon. Das ist ein Grund mehr, die Aufnahme früh im Erststudium zu versuchen.
Zwei Kalender, die nicht zueinander passen
Die Stipendienbewerbung kann beim DAAD parallel zur Hochschulbewerbung laufen. Die Zulassung der Gasthochschule solltest du laut Programmseite möglichst schon mit der Bewerbung nachweisen können; vorlegen musst du sie erst zum Antritt des Stipendiums. Die Bewerbung um das Geld muss also nicht auf den Studienplatz warten. Wer trotzdem erst die Zusage abwartet, verschenkt eine komplette Förderrunde. Praktisch heißt das:
- 1Zuerst der Sprachtest. Er ist Voraussetzung für beides und der Baustein, dessen Termine du nicht selbst bestimmst. Er gehört deshalb ganz nach vorn.
- 2Dann die Stipendienbewerbungen, parallel zu den Hochschulen. Die Fristen der Stipendiengeber liegen teils lange vor den Zusagen der Hochschulen; die Kanzlei-Programme melden sich erfahrungsgemäß als Erste.
- 3Zum Schluss nur ausdrücklich nachreichbare Unterlagen. Beim DAAD darf die Zulassung der Gasthochschule bis zum Stipendienantritt folgen. Abschlusszeugnis und Sprachnachweis müssen dagegen bereits zum Bewerbungstermin vorliegen.
Wie die Bewerbungsunterlagen für einen Auslandsaufenthalt aufgebaut werden, steht ausführlich in der Anleitung zum Motivationsschreiben fürs Auslandssemester. Die Struktur trägt auch für den LL.M.; die Begründung fällt nur anders aus.
Der Stapel: was ein LLM-Stipendium beisteuert, Kanzleien eingerechnet
DAAD, Fulbright und Chevening tragen unterschiedliche Kostenblöcke; Kanzlei-Teilstipendien können einen weiteren Anteil übernehmen. Wirtschaftskanzleien finanzieren juristische Auslandsmaster mit. Ausgeschrieben werden sie meist auf den Karriereseiten der Kanzleien selbst, unter „Nachwuchsprogramme“ oder „Legal Talents“, und zwar jährlich neu. Wer sie sucht, geht die großen Wirtschaftskanzleien einmal im Herbst durch und trägt sich die Fristen ein. Bei dem einen Programm, für das sich der Termin belegen lässt, ist Bewerbungsschluss der 31. Januar.
Baustein
Wer im Sommer merkt, dass er einen LL.M. machen will, hat diese Januar-Frist noch vor sich. Welches akademische Jahr der jeweilige Durchgang fördert und wie das Verfahren nach dem Einsendeschluss weitergeht, steht auf der Programmseite nicht — frag danach, bevor du deinen eigenen Kalender darauf aufbaust.
Ob sich ein Kanzlei-Teilstipendium mit einem anderen Programm kombinieren lässt, entscheidet der jeweils größere Geber. Viele Förderer schließen aus, dass du für denselben Zweck zweimal Geld bekommst; in welcher Form, steht in ihren Bedingungen. Fulbright etwa erlaubt die Kombination, solange das zweite Stipendium nicht ebenfalls die Lebenshaltung fördert. Kläre das, bevor du beides zusagst — nachträglich zurückzugeben ist unangenehmer, als vorher zu fragen.
Noch mitten im Studium? Diese drei Weichen stellst du jetzt
Schon im Studium kannst du die Notenstufe, den Termin des Sprachtests und die Aufnahme in ein Förderwerk vorbereiten. Die späteren LL.M.-Anträge setzen dann auf diesen Vorleistungen auf.
Die Notenstufe ist der offensichtliche Punkt, und sie entsteht über Semester. Konkret heißt das: Schreib dir einmal auf, welche Note du für die Programme brauchst, die dich interessieren, und leg diese Zahl neben deinen aktuellen Stand. Wer den Abstand kennt, plant Schwerpunktwahl und Klausurenpensum anders als jemand, der ihn nur ahnt.
Der Sprachtest ist der zweite, und bei ihm als Einzigem bestimmst du den Zeitpunkt. Die Prüfungstermine gibt der Anbieter vor, du kannst dir aber aussuchen, in welchem Semester du antrittst — nur nicht beliebig früh: TOEFL-Ergebnisse sind laut ETS zwei Jahre gültig, und der DAAD schreibt für sein LL.M.-Programm, die Sprachnachweise sollten nicht älter als zwei Jahre sein. Plane den Test deshalb in das Jahr vor der Bewerbung, nicht ins vierte Semester; sonst ist er zum Stichtag zu alt.
Der dritte Punkt wird fast immer übersehen: Ein Förderwerk, also eines der großen Programme, die Studierende über Jahre begleiten, nimmt dich während des Studiums auf. Bist du drin, kommen Auslands- und Gebührenzuschüsse dazu, an die eine spätere Einzelbewerbung allein für den LL.M. in der Regel nicht mehr heranführt. Der Weg hinein führt über die Selbstbewerbung oder über einen Vorschlag deiner Hochschule; das Stipendienreferat, also die Stelle, die an deiner Uni die Förderung verwaltet, sagt dir, welche Wege dort offen sind.
Wer erst einmal kleiner anfangen will: Für kürzere Auslandsaufenthalte während des Studiums gibt es eigene Förderungen wie das PROMOS-Stipendium. Im späteren Motivationsschreiben lässt sich ein tatsächlich absolvierter Auslandsaufenthalt konkreter beschreiben als ein Vorhaben.
Diese drei Weichen kannst du nur stellen, wenn du weißt, wo du stehst: Ob dein Profil gerade eher zur laufenden Studienförderung oder schon zu den Programmen für die Zeit nach dem Abschluss passt, zeigt dir der Förderpotenzial-Check. Beide Gruppen haben eigene Fristen, und die frühere geht zuerst zu.
Häufige Fragen zum LLM-Stipendium
Zulassung, Prädikat und Staatsangehörigkeit begrenzen die Auswahl; ein Teilstipendium kann die verbleibende Finanzierungslücke verkleinern.
Brauche ich die Zulassung der Law School, bevor ich mich um ein LLM-Stipendium bewerbe?
Gibt es ein LLM-Stipendium auch ohne Prädikat im Examen?
Kann ich mich mit Migrationsgeschichte oder ohne deutschen Pass bewerben?
Lohnt sich ein Teilstipendium überhaupt, wenn es die Kosten nicht deckt?
Fazit
Am Anfang eines LL.M. steht eine Frage von vier Zeilen im Kleingedruckten: welche Note du hast, welchen Pass, wie viel Berufserfahrung und wie alt dein Abschluss ist. Sibel hat ihre Chevening-Bewerbung damals nie abgeschickt und die Reihenfolge stattdessen umgedreht: erst prüfen, wo sie bewerbungsberechtigt ist, dann schreiben. Genau das ist der nächste Schritt. Nimm die drei bis vier Programme, die für dein Zielland infrage kommen, öffne bei jedem die Voraussetzungen und streich alles, wo du an einer harten Zeile hängst. Was übrig bleibt, ist deine echte Liste, und sie ist kürzer und brauchbarer als die aus dem ersten Rechercheabend. Für die Programmdetails des DAAD lohnt der Überblick zum DAAD-Stipendium; wen der LL.M. vor allem beruflich interessiert, findet die Einordnung unter Arbeiten im Ausland nach dem Studium.
Diese Streichliste musst du dir nicht selbst bauen: Im Förderpotenzial-Check gibst du Abschluss, Note, Zielland und Zeitpunkt ein und bekommst zurück, welche der formalen Hürden dich betreffen. Ein paar Minuten für eine Vorauswahl, die dir sonst mehrere Abende kostet.
Quellen
- Deutscher Akademischer Austauschdienst: Stipendien für ein LL.M. (Master of Laws) Aufbaustudium, 2026
- Deutscher Akademischer Austauschdienst: Wichtige Hinweise zu DAAD-Stipendien, 2026
- Deutsch-Amerikanische Fulbright-Kommission: Studienstipendium für Master-Studium in den USA, 2026
- Deutsch-Amerikanische Fulbright-Kommission: Reisestipendium für Master-Studium in den USA, und FAQ zu den Reisestipendien, 2026
- Chevening: Eligibility criteria und Work experience requirements, 2026
- Gleiss Lutz: LLM Stipendium, Nachwuchsprogramme, 2026
- Studienstiftung des deutschen Volkes: Voraussetzungen, 2026
- Studienstiftung des deutschen Volkes: Auslandsförderung, 2026
- Studienstiftung des deutschen Volkes: Finanzielle Förderung, 2026
- Studienstiftung des deutschen Volkes: Jahresbericht 2022
- Deutscher Akademischer Austauschdienst: Stipendienraten-Rechner, Förderjahr 2027/28, 2026
- ETS: TOEFL iBT Scores; IELTS: Getting and sharing your results, 2026
